Entstehung und Entwicklung der Schule

Der Schultyp Fachoberschule

Der Schultyp Fachoberschule gilt als einer der gelungenen Schulversuche. Ein Vierteljahrhundert immerhin ist es her, seit die ersten Schulen dieses Typs in Bayern ihren Unterrichtsbetrieb aufnahmen. Was zeichnet diesen Typ aus? Zentrales Kriterium ist der Praxisbezug, wurde doch die Fachoberschule in das berufliche Schulwesen eingereiht. Die Schüler müssen – auf der Basis eines mittleren Schulabschlusses – entweder eine erfolgreiche, mindestens zweijährige Berufsausbildung bzw. eine fünfjährige Berufserfahrung mitbringen oder aber fehlende Kenntnisse aus der Berufswelt durch eine insgesamt halbjährige fachpraktische Unterweisung in Werkstätten, Verwaltungen bzw. sozialen Einrichtungen ausgleichen. Dieses fachpraktische halbe Jahr bewirkt allerdings eine Steigerung der Aufenthaltsdauer an der Fachoberschule von einem auf zwei Jahre. In jedem Fall aber müssen Berufsausbildung, Berufserfahrung bzw. fachpraktische Unterweisung mit einer der fünf Ausbildungsrichtungen, die der neue Schultyp anbietet, übereinstimmen. Insofern schon unterscheidet sich die Fachoberschule vom Gymnasium. Sie unterscheidet sich jedoch andererseits von der Berufsschule grundsätzlich dadurch, daß sie nicht zur direkten Berufsausbildung beiträgt, sondern zur Allgemeinen Fachhochschulreife führt.

Entstehungsbedingungen des Schultyps

In den 60er Jahren begann sich in den westlichen Ländern ein kultureller Wandel abzuzeichnen. Auch im Bildungssektor der Bundesrepublik Altbekanntes wurde in Frage gestellt. Da verwundert es nicht, daß in den Bereich der Ingenieurschulen wie anderer höherer Fachschulen Bewegung kam. Bildungspolitiker und Erziehungswissenschaftler betonten die zunehmende Bedeutung höherer schulischer und beruflicher Qualifikation in einer sich immer rascher ändernden Berufswelt, in einem durch die europäische Integration größer werdenden Markt. Die Aufwertung der höheren Fachschulen zu Fachhochschulen sollte sich nicht nur im Namen ausdrücken, sondern auch in den Anforderungen: Nicht mehr nur die „Mittlere Reife“ sollte Zugangsvoraussetzung sein, sondern eine darüber hinausgehende Vorbildung gerade auch in den allgemeinbildenden Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik – in Schlüsselqualifikationen für jedes Studium mithin. Diese Vorbildung aber sollte erworben werden in Schulen neuen Typs, den Fachoberschulen. Die langjährige Diskussion führte schließlich 1969 zu einer Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz, in der sich die für die Bildungspolitik der Bundesrepublik Deutschland Letztverantwortlichen auf ein organisatorisches und inhaltliches Grundgerüst der Fachoberschulen einigten. Auf der Grundlage dieser KMK-Vereinbarung von 1969 konnten also ein Jahr später, mit Beginn des Schuljahres 1970/71, auch in Bayern die ersten Bildungseinrichtungen dieses Typs ihren Betrieb aufnehmen. Unter ihnen war die Staatliche Fachoberschule Weißenburg.

Umstände bei der Gründung der Staatlichen Fachoberschule Weißenburg

Beim Start eines neuen Schultyps gilt es für jeden Schulträger dabei zu sein, denn ein erweitertes Bildungsangebot stärkt den Standort auch wirtschaftlich. Dieses grundsätzliche und immer vorhandene Merken auf die eigenen Interessen und die Mittel, die diesen dienen, traf sich um 1970 mit der aktuellen Vorsorge für die nahe Zukunft: Die für 1972 in Bayern geplante Gebietsreform, die viele Gemeinde- und Landkreisgrenzen verändern und politische wie wirtschaftliche Gewichte verschieben sollte, warf ihre Schatten voraus. In der beginnenden Diskussion um Raumordnung und Landesplanung wurden Städte verschiedener Größenordnung auf den Status eines zentralen Ortes aufmerksam. Für jede konkurrierende Stadt im südwestlichen Mittelfranken kam es also darauf an, in einer Zeit des Umbruchs ihre zeitlosen wirtschaftlichen Interessen zu koppeln mit zwei aktuellen Reformbewegungen: Mit Hilfe einer Fachoberschule, Produkt der bundesweiten Bildungsreform, würde man auch im Rennen um den Status eines zentralen Ortes, Chance der Landesentwicklungsplanung, Pluspunkte sammeln und Konkurrenten hinter sich lassen können. Für Weißenburg könnte ein solcher Zugewinn im überörtlichen Bildungsangebot zudem ein gewisser Ausgleich sein für den möglichen Verlust seiner Kreisfreiheit. Vor diesem Hintergrund sind die Überlegungen in der Stadt während der ersten Hälfte des Jahres 1970 leichter zu verstehen.

Vage Vorinformationen über den neuen Schultyp gab es bereits, Verwaltung und Stadtrat diskutierten, und die Presse schrieb darüber (Weißenburger Tagblatt vom 20. Februar 1970 z.B.). Geschehen war noch nichts. Plötzlich aber sollte es ganz schnell gehen.

Otto Stiepak, als Leiter der – damals noch von einem Verband getragenen – Berufsschule Weißenburg ohnehin in ständigem dienstlichen Kontakt mit dem entsprechenden Referat der Bezirksregierung in Ansbach, führte am 19. Februar ein Telefongespräch auch in Sachen Fachoberschule mit Regierungsschuldirektor Dr. Tautenhahn.

Resultat war die Botschaft an Oberbürgermeister Dr. Lenz, Weißenburg solle sich kurzfristig bis 25. Februar bei der Regierung um eine solche Schule bewerben. Wiewohl – laut Stiepaks schriftlicher Mitteilung an Dr. Tautenhahn vom 23. Februar – bis dahin noch unentschlossen, legte der Oberbürgermeister bis 25. d. M. doch die formlose Bewerbung in Ansbach vor, ohne erst noch einen Stadtratsbeschluß herbeiführen zu können, aber im Bewußtsein, für die Stadt nichts versäumt zu haben. Daß ihm der Stadtrat mit all seinen Fraktionen am 05. März durch einen förmlichen Beschluß folgte, zeigt: Lenz hatte zumindest die Stimmung dieses Gremiums richtig eingeschätzt. Der offizielle Antrag datiert vom 11. März.

Die Zeit des Wartens währte etwa zwei Monate. Am 12. Mai erging – nach verschiedenen positiven Hinweisen – dann die Entschließung des Kultusministeriums, die Weißenburg zu einem der ersten 40 Fachoberschulstandorte machte.

Die mit etwa 14.000 Einwohnern damals noch kreisfreie Stadt durfte laut dieser Entschließung zwischen kommunaler und staatlicher Schule wählen. Der Stadtrat entschied sich mit Beschluß vom 15. Mai einstimmig für eine staatliche Schule, deren Lehr- und Verwaltungspersonal (zunächst „1/2 Schreibkraft“) wie auch Lehrmittelaufwand der Staat übernehmen, deren Schulanlage, sonstige Sachausstattung und Hauspersonal sie allerdings selber zu tragen haben würde. Die Verbindlichkeit dieser Entscheidung für Staat und Stadt wurde garantiert durch eine von ersterem geforderte vertragliche Vereinbarung zwischen beiden, am 20. Mai durch den Oberbürgermeister, am 12. Juni durch Kultusminister Dr. Huber unterzeichnet. Die am 13. Mai auf einer Kreistagssitzung signalisierte gemeinsame Sachaufwandsträgerschaft durch Kreis und Stadt in einem Zweckverband wurde jedenfalls nicht verwirklicht.

Um das Raumproblem zu lösen, hatte man sich frühzeitig an die Prüfung auch nichtschulischer Gebäude gemacht (Besichtigung von Räumen der Firma Eckert & Ziegler im März durch OB Dr. Lenz, Stadtbaumeister Bruchner und Berufsschulleiter Stiepak). Diese Lösung kam nicht zustande. So verständigten sich Schul-, Kultur- und Bauausschuß des Stadtrats am B. Juni in gemeinsamer Sitzung, die Schule vorerst in Räumen von Berufs- und Realschule unterzubringen, für die fachpraktische Unterweisung der künftigen Technikschüler aber Shedbauten zu errichten. Den Standort hatte man schon ausgewählt im Bereich Seeweiher – An der Hagenau – Römerbrunnenweg.

Bei abermaligem Zeitdruck mußte man zweigleisig fahren: Da die Hallen nicht zu Schuljahrsbeginn fertig würden, nahm man wegen Praktikumsplätzen Kontakt zu Betrieben auf, die sich – bei Klärung offener Rechtsfragen und einer gewissen Entschädigung – kooperationswillig zeigten. Und da obendrein die Klassenzimmer auch in Berufs- und Realschule knapp waren, entschloß man sich, Erkundigungen über die Kosten eines Fertigbaus einzuholen.

Noch im Juli 1970 hatte man erste Preisvorstellung dafür (Angebot einer Würzburger Firma: 125.000,— DM für eine Zelle aus zwei Zimmern). Man wartete noch auf Angebote für die Shedbauten der Werkstätten zur fachpraktischen Unterweisung, wußte aber bald, daß sie teuerer würden als fertig gelieferte Raumzellen. Verwirklicht wurde zunächst keine der beiden Lösungen.

Ende Juli wurde bekannt, daß nicht Otto Stiepak, der die Vorarbeit für die neue Schule nach allgemeiner Anerkennung vorzüglich erledigt hatte, vom Kultusministerium zu deren Leiter bestellt würde, sondern – vorerst angekündigt – der Konrektor der Realschule im schwäbischen Meitingen bei Augsburg, Helmut Meier, der freilich viele Jahre in Weißenburg unterrichtet hatte. Zunächst mischte sich in die Erleichterung, daß man die Detailarbeit nun abgeben konnte, auch eine gewisse Enttäuschung: Stiepak hätte seine Verwaltungsräume und -angestellten bereits in der Berufsschule gehabt, für den „Neuen“ würde man all dies zusätzlich zu den Unterrichtsräumen auch noch schaffen müssen. Vorerst jedenfalls stellte man ihm in der Volksschule am Seeweiher einen Raum für seine Verwaltung – immerhin ein Fortschritt, denn die Anmeldungen für die neue Schule hatte nach Anweisung des Kultusministeriums vom 25. Mai („ab sofort bis einschließlich 12. Juni“) noch das Gymnasium entgegengenommen.

Im August wurde zügig gehandelt: Zu Anfang des Monats beschloß der Bauausschuß/Feriensenat unter Leitung von OB Dr. Lenz einstimmig, zehn Fertigbauklassenzimmer zu beschaffen, die auf dem Gelände des ehemaligen Mackweihers neben der Realschule aufzustellen seien, sechs davon für die Fachoberschule reserviert, darunter einer für Direktorat und Sekretariat aufgeteilt.

Das Raumprogramm, das Meier verständlicherweise für die Zukunft der Schule propagierte, wies Dr. Lenz als vorauseilend zurück, kein Wunder, mußte die Stadt doch gerade den ersten Bauabschnitt des Neubaus für das Gymnasium finanzieren (voraussichtlich 4 Mio. DM) und war sie zudem konfrontiert mit Raumforderungen der Realschule, der Volksschulen wie auch der Berufsschule.

Anfang September war vieles schon konkret geworden: Der neue Schulleiter Helmut Meier war vom Kultusministerium definitiv bestellt, zwei hauptamtliche Lehrkräfte – Hermann Dauscher und Volker Kiefer – waren hierher versetzt, drei weitere abgeordnet, zusätzliche Kontakte zu Lehrern benachbarter Schulen immerhin angebahnt, und die Einbeziehung von Betrieben in die fachpraktische Unterweisung war durchs Kultusministerium bestätigt. 100 Schüler hatten sich mittlerweile angemeldet, für die 11. und die 12. Jahrgangsstufe. Drei Räume würde die Berufsschule vorläufig zur Verfügung stellen, einen davon ganztägig.

Die Eröffnung der Schule und das erste Unterrichtsjahr

„Der 10. September 1970 wird als der Tag in die bayerische Schulpolitik eingehen, an dem als neue Schulart … die Fachoberschulen aus der Taufe gehoben wurden, erklärte Rektor Meier.“ So schrieb das Weißenburger Tagblatt in seinem Bericht über den Beginn des ersten Schuljahres der neuen Schule im Versammlungsraum der Städtischen Großturnhalle An der Hagenau. OB Dr. Lenz war zugegen. 95 Schüler aus der Region zwischen Ansbach, Schwabach, Hilpoltstein, Eichstätt und Gunzenhausen waren tatsächlich angetreten: 71 in der Ausbildungsrichtung Technik (Ingenieurwesen), davon 50 zur 11., 21 zur 12. Jahrgangsstufe, und 24 in der Ausbildungsrichtung Wirtschaft/Verwaltung/Rechtspflege, von ihnen jeweils gleich viele zu beiden Stufen.

Unterzubringen waren die fünf Klassen in vier Räumen: in diesem Versammlungsraum selbst, der sich durch eine Trennwand in zwei provisorische Klaßzimmer für die beiden 12. Klassen (TL und WL) teilen ließ, und in zwei Räumen der benachbarten Berufsschule, einer davon war für die beiden 11-Technik-Klassen in halbwöchentlichem Wechsel, der zweite nur eine halbe Woche für die 11-Wirtschaft-Klasse reserviert (die jeweils andere Wochenhälfte über fand die fachpraktische Unterweisung in Betrieben statt). Für den naturwissenschaftlichen Unterricht öffneten Gymnasium (noch in der Wildbadstraße) und Realschule ihre Fachräume (8 bzw. 18 Stunden Physik, Chemie und Technisches Zeichnen). Dem Direktorat stand der schon erwähnte Raum in der naheliegenden Hauptschule am Seeweiher zur Verfügung. Waren die Wege zwischen den einzelnen Lokalitäten der eher kurzen Entfernungen halber zwar noch hinnehmbar, so ging übers Jahr doch einiges an Unterrichtszeit verloren.

Im ersten Unterrichtsjahr der Schule waren neben Helmut Meier als Lehrkräfte tätig: Hermann Dauscher und Volker Kiefer (hauptamtlich), aber auch Herbert Dauscher, Konrad Fischer, Irmlinde Gawehns, Norbert Hartenberger, Karl Köhler, Karl Krauß, Diether Krömer, Ernst Lechner, Dr. Otto Lehovec, Franz Sand, Walter Scharrer, Gerhard Schmidt, Helmut Sommerer, Dr. Horst Spitschka (nebenamtlich, zumeist von den benachbarten weiterführenden Schulen abgeordnet, von Berufs- und Realschule sowie dem Gymnasium). Und in den ersten Elternbeirat wurden in gutbesuchter Elternversammlung (Herbst 1970) gewählt: Rudolf Hofbeck (Hilpoltstein), Ludwig Naß (Ellingen), Käthe Roiderer (Schwabach), Max Schuster und Dr. Max Schwirzer (beide Weißenburg).

Besserung der Raumsituation kündigte sich erst gegen Ende des ersten Schuljahres an, als nach mühevollen Planungsarbeiten – wegen der unsicheren Bodenverhältnisse um den Mackweiher – Schulcontainer aufgestellt werden konnten. Ab Anfang März 1971 von der Firma OFRA aus Beverungen angeliefert und zügig neben dem Realschulgebäude auf die größer als zunächst nötig gegossene Betonplatte montiert, dauerten die Installationsarbeiten im Inneren – darunter der Anschluß an die Heizanlage des benachbarten Realschulgebäudes – doch bis Anfang Juni. Seit dem B. d. M. aber verfügte die Staatliche Fachoberschule Weißenburg über sechs eigene (für Unterricht und Verwaltung) unter den insgesamt 10 Zimmern, der Rest war für die Realschule. Der neue Raum wurde gleich für die erste Abschlußprüfung der 12. Klassen (TL/WL) benutzt, noch bevor die übrigen Schüler hierher umzogen.

Mehr als 1 Mio. DM hafte man verbaut, und doch würde der Aufwand nur fürs zu Ende gehende Schuljahr reichen. Wie sollte es weitergehen mit Klassenzimmern – und mit Werkstätten für die Ausbildungsrichtung Technik der Elftkläßler? Immerhin war die Aufnahme der Praktikanten durch Betriebe nur als vorübergehende Unterstützung gedacht, und das regionale Industrie- und Handelsgremium hatte dies in einer Resolution an den Berufsschulverband im Mai 1971 auch deutlich ausgesprochen, mit ein Anstoß für den Stadtratsauftrag vom Juni ans Bauamt, bis September Pläne für einen Werkstättenbau der Berufsschule auszuarbeiten, in dem auch die Fachoberschüler unterrichtet werden könnten.

Getrübt wurden diese Überlegungen von der Diskussion um die Gebietsreform, denn in der Stadt befürchtete man, finanzielle Vorleistungen zu erbringen, deren Nutznießer letztlich der Landkreis sein würde – dann nämlich, wenn diese in jenen eingegliedert würde -, während der Kreis im Juli 1971 diese Befürchtungen als unbegründet zurückwies: Der Status einer Großen Kreisstadt werde es Weißenburg freistellen, seine Schulen zu behalten.

Überschattet wurden sie obendrein durch die Auseinandersetzung im Stadtrat über die Einrichtung einer dritten Ausbildungsrichtung an der Fachoberschule – der Richtung Sozialwesen, für die dem Direktorat bis Ende Juli immerhin 39 Anmeldungen vorlagen -, zumal man schnell feststellen mußte, daß man sich mit der Bewerbung im Vorjahr schon für die erneut Schulraum und Geld fordernde Einrichtung verpflichtet hatte.

Die Entwicklung der Schule bis zum Umzug ins heutige Domizil an der Wildbadstraße

Für das zweite Schuljahr hatten sich bis Ende Mai 1971 fast doppelt so viele Bewerber gemeldet wie fürs Gründungsjahr, 131 davon waren neue Schüler (33 darunter zu den T-/W-12-L-Klassen). Der ohnehin nicht üppige Raum wurde noch knapper, zumal die von Helmut Meier – anfangs März 1972 zum Studiendirektor ernannt – schon im Frühjahr gemeldeten zwei Zimmer Mehrbedarf weder von der Realschule bereitgestellt werden konnten noch als weitere Zellen den vorhandenen zehn angefügt wurden. Zusätzlicher Nachmittagsunterricht mußte da vorerst abhelfen. Ebenso mußten umliegende Betriebe den Elftkläßlern der Ausbildungsrichtung Technik weiterhin Praktikumsplätze überlassen (ca. 28.000,— DM Entschädigung in 1971, vom Sachaufwandsträger zu finanzieren), denn eine schuleigene Werkstatt existierte noch nicht – ja, für die 11. Klassen der neuen Ausbildungsrichtung Sozialwesen hatten zusätzliche Stellen erschlossen werden müssen (u. a. bei der „Lebenshilfe“).

Sehr schwierig geworden war das politische Umfeld, denn am 01. Juli 1972 waren mit der landesweiten Gebietsreform die bisherigen Körperschaften Stadt Weißenburg, Landkreis Weißenburg und Landkreis Gunzenhausen zu einem neuen, größeren Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zusammengelegt worden. Die Frage der Übernahme des Sachaufwands für die Staatliche Fachoberschule stellte sich damit ernsthaft, zumal mehr Schüler aus dem übrigen Landkreis als aus Weißenburg selbst kamen. Vorerst nicht einigen konnten sich die nunmehrige Große Kreisstadt und der neue Landkreis über diese Frage, war doch Artikel 5 Abs. 2 der Gemeindeordnung i. V. mit dem Gesetz über das berufliche Schulwesen von 1972 interpretationsfähig: Ein Stadtratsbeschluß von Ende Mai 1972 hatte dem neuen Kreis aus finanziellen Erwägungen die Trägerschaft angetragen, dieser aber lehnte das Angebot bis zur Klärung der offenen Rechtsfrage ab. Deutlich wurde freilich schon hier, daß der neue Landrat, der erste des Großlandkreises, Dr. Karl Friedrich Zink, mit Augenmaß und Verantwortungsgefühl an das Problem heranging, betonte er doch die Bereitschaft zur optimalen Versorgung der Fachoberschule, wenn des Kreises Pflichtaufgaben erst genau umrissen seien.

Als die Entscheidung des Kultusministeriums gegen Ende September d. J. im Landratsamt einging – sie erklärte die Übernahme durch den Kreis als freiwillig -, war das neue Schuljahr schon angelaufen, und so änderte sich zunächst noch nichts an der Sachaufwandsträgerschaft der Stadt.

Ab September 1972 besuchten 210 Schüler die „FOS“, die – auf 10 Klassen aufgeteilt – in fünf entsprechenden Zimmern und einem Physiksaal des Fertigbaus, dem Versammlungsraum der Städtischen Großturnhalle, je einem Kellerraum der Haupt- und der Realschule sowie einem Chemiesaal des Gymnasiums an der Wildbadstraße unterrichtet wurden. Weiterhin mußten mangels Schulwerkstätten Betriebe die fachpraktische Unterweisung auch der Technik-Schüler übernehmen. Zumindest hier deutete sich allerdings ab Juni 1973 eine Linderung an: Die Arbeiten zur Errichtung der Schulwerkstätten für Berufs- und Fachoberschule begannen – etwa zeitgleich mit der Übernahme der Berufsschule durch den Kreis und der Auflösung des sie tragenden Zweckverbands.

Die örtliche Presse der Jahre 1970 ff hallt wider von Klagen über die Raumnot der Schule, aber in ihr werden auch schon zaghaft Gedanken vom möglichen Umzug in die Wildbadstraße ventiliert, wenn das Gymnasium sein dortiges Gebäude zugunsten seines neuen Domizils An der Hagenau verlassen haben würde (WT am 09. Juli 1973). Wann dies genau sein würde, war noch nicht bekannt. So schleppte sich die Misere weiter ins neue Schuljahr 1973/74, während dessen die mittlerweile 238 Schüler (fünf 11. und sechs 12. Klassen) in fünf Gebäuden unterrichtet wurden, genauso wie im Vorjahr. Wenigstens aber waren Schulleiter Helmut Meier und Stellvertreter Hermann Dauscher für ihre Mühen honoriert worden, durch ihre Beförderung zum Oberstudiendirektor am 01. März 1973 – die Schülermindestzahl von 360 als Vorbedingung spielte damals noch keine Rolle – bzw. zum Studiendirektor am 01. August.

Erst im Dezember 1973 kam wieder Bewegung in die Diskussion um die Fachoberschule, als der Schulausschuß des Landkreises deren Übernahme durch diese Gebietskörperschaft zum 01. Januar 1974 beschloß. Darauf fußend vereinbarte Landrat Dr. Zink Ende Februar 1974 mit Oberbürgermeister Dr. Zwanzig – seinerseits auf den entsprechenden Stadtratsbeschluß vom Mai 1972 gestützt – vertraglich die Übernahme, die rückwirkend zum 01. Januar 1974 gelten sollte und im März d. J . auch vom Kreistag bestätigt wurde. Dies war ein Meilenstein in der Geschichte der Schule, taten sich doch nun durch den finanzkräftigeren Großlandkreis als Sachaufwandsträger etwas freundlichere Perspektiven auf, auch wenn dieser für zwölf Schulen zu sorgen hatte. Erstes Indiz der Besserung war die Beschaffung von zwei zusätzlichen Fertigräumen für den Schulpavillon An der Hagenau während des Sommers 1974, für die man in kluger Voraussicht bereits zu Anfang 1971 die Fundamentplatte ausgebracht hatte, zweites Vorzeichen die Beschlußfassung des Kreisschulausschusses über die Vergabe der Rohbauarbeiten für den 2. Bauabschnitt des neuen Gymnasiums im Dezember, war doch damit das Freiwerden von dessen Altbau für die Fachoberschule in greifbare Nähe gerückt. Und schließlich zeichnete sich auch eine Milderung des Problems knapper Praktikumsplätze für die Ausbildungsrichtung Technik ab: Seit dem Schuljahr 1975/76 standen die Werkstätten im neuerrichteten Berufsschultrakt An der Hagenau auch den Fachoberschülern offen. Nur noch ein Teil von ihnen mußte von nun an Betrieben zugewiesen werden.

Beendet wurde die Raumnot endlich in der zweiten Jahreshälfte 1977, als mit dem Umzug des Gymnasiums dessen altes, überwiegend dem späten 19. Jahrhundert entstammendes, ebenfalls entschädigungslos aus Stadteigentum vom Kreis übernommenes Haus frei wurde, in das die Fachoberschule – nach Schulausschußbeschluß Ende Juli – überwechselte. Die Aussicht, endlich alle Klassen unter einem Dach zusammenzubringen, hatte Schulleiter und Kollegium die Bedenken gegenüber dem inzwischen doch abgenutzten Altbau, der freilich einen erst vor etwa 20 Jahren angefügten Trakt mit naturwissenschaftlichen Fachräumen aufwies, hinten anstellen lassen. Die Schulcontainer aber mußten der gleichermaßen in die Sachaufwandsträgerschaft des Kreises gegangenen Realschule zur Verfügung gestellt werden.

Weiterentwicklung bis zur Gegenwart

Dank des Mitanpackens von Schülern der Ausbildungsrichtung Technik sowie des Hausmeisters wurden die gröbsten Schäden im Herbst 1977 beseitigt. Machtlos war man freilich, als im Winter einmal die Dampfheizung ausfiel, ein Vorfall, der sich jederzeit wiederholen konnte und der verschiedentlich seinen Widerhall in der örtlichen Zeitung fand (03.07./13.10.1 01.111978). Immerhin war das Innere des Hauses getüncht worden, unter finanzieller Mithilfe eines Weißenburger Industriebetriebs, wie der Schulleiter anläßlich der Absolventenentlassung 1978 betonte. Einen starken Kontrast bildeten die ersten Computer, die gegen Ende der 70er Jahre durch Spenden der regionalen Wirtschaft sowie einen Staatszuschuß angeschafft und den Schülern vorgeführt wurden. OStR Dr. Spitschka leistete hier Pionierarbeit.

Doch auch in anderen Bereichen ging es aufwärts: Die Heizung wurde renoviert, der Chemie-Übungsraum im relativ neuen Anbau 1978/79 auf den neuesten Sicherheitsstandard gebracht, der Fußboden der Flure in den oberen Stockwerken erneuert; 1979/80 wurde die Schule vorübergehend Multiplikator in der EDV, da sie den Einsatz von Computern in Unterricht und Verwaltung erproben und ihre Erfahrungen weitergeben sollte. Erstmals wurden Zeugnisse durch dieses moderne Medium im Juli 1980 ausgedruckt, für die ganze Schule dann im Februar 1981.
Im späten Frühjahr und im Sommer 1983 wurde die Fassade gerichtet, da man deren Bedeutung für das Stadtbild erkannte: Die dezente Farbgebung in einem gebrochenen Weiß, aus dem sich die Fenster- und Türlaibungen in stumpfem Ochsenblut abheben, bringt den schlichten Klassizismus wirkungsvoll zur Geltung. Ende 1984 folgte die Erneuerung des Bodenbelags im Pausenhof. So hatte der Landkreis mittlerweile sieben Jahre Zug um Zug für die Verbesserung der Schulsituation gesorgt.

Aber nicht nur an Gebäude und Ausstattung geschah etwas, sondern auch im soziokulturellen Bereich: In der ersten Hälfte der 80er Jahre schafften die Schülerzeitungen „FOSla“ und „Tapir“ Spitzenplätze im landesweiten Wettbewerb, im Mai 1984 fand erstmals ein vielbeachteter „Tag der offenen Tür“ statt, zu dem auch Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen hereinschaute, anfangs 1985 legte sich die Schule ihr Emblem zu (Hand mit Brief und Schraubenschlüssel für die drei Ausbildungsrichtungen Sozialwesen, Wirtschaft, Technik), um sich einprägsam darstellen zu können, und zur gleichen Zeit gründete sich ihr „Freundeskreis“, dessen ersten Vorsitz Sparkassendirektor Netzel übernahm.

Die Schülerzahlen stiegen um 1980 stark an, waren doch die letzten geburtenstarken Jahrgänge von Mitte der 60er Jahre nun im für den FOS-Besuch passenden Alter und hatte offensichtlich das Bildungswerben von Politikern um 1970 offene Ohren bei den Eltern gefunden: Ende 1981 besuchten knapp 460 junge Menschen die Schule, etwa 240 die neun 11. Klassen, etwa 220 die neun 12. Man erwog zur Behebung der neuen Schulraumnot den Umbau der Hausmeisterwohnung im Erdgeschoß und führte den Plan schließlich auch aus, auch wenn sich in den folgenden Jahren die entsprechenden Zahlen wieder auf unter 400 zurückentwickelten.

Anerkannt wurde all dies seitens des Sachaufwandsträgers durch die Installation eines zweiten Physik- bzw. Technologiesaals im Schuljahr 1986/87 und durch die Neuausstattung des Rechnerraumes 1990 mit einer neuen Computergeneration (386), zu der allerdings die in der Stadt tätige Hermann-Gutmann-Stiftung unter Mitwirkung von Oberbürgermeister Reinhard Schwirzer mit einer Spende beitrug. Der Standardsicherung diente auch die Neuausrüstung der schuleigenen Werkstätten für Elektrotechnik sowie für Metallbearbeitung im Rahmen der 1990 begonnenen und 1992 im wesentlichen abgeschlossenen Berufsschulsanierung. Der Bezug der neuen Räume bedeutete gleichzeitig das Ende der fachpraktischen Ausbildung in Betrieben für die Technik-Schüler, deren Zahl infolge der eingetrübten Berufsaussichten für Ingenieure zurückgegangen war.

Die Schule hatte sich 20 Jahre nach ihrer Gründung schier aus dem Nichts und in eine unbekannte Zukunft hinein mittlerweile etabliert und ihren festen Platz im Bildungsangebot der Stadt und eines großen Einzugsbereichs errungen, sichtbar an der Person ihres Gründungsdirektors Helmut Meier: Als er im Februar 1993 in den verdienten Ruhestand ging, zeigte die Teilnahme vieler und hochrangiger Persönlichkeiten seine große Wertschätzung in Stadt und Umland.

Sein Nachfolger, Studiendirektor Hermann Oft, im Juni 1993 von der Staatlichen Fachoberschule Coburg – wo er stellvertretender Schulleiter war – nach Weißenburg gekommen, wird sich um die Bewahrung des ihm Übergebenen kümmern müssen, aber auch um dessen fürsorgliche Erneuerung. Seine Aufmerksamkeit unter letztgenanntem Aspekt galt 1994 und 1995 dem Schulversuch Dreistufige Berufsoberschule/Stufe 1, zu dem die Schule zugelassen wurde, für den sich aber trotz intensiver Öffentlichkeitsarbeit, bei der ihn dankenswerterweise auch OStD Stiepak von der örtlichen Berufsschule unterstützte, nicht genügend Schüler fanden, da etablierte Berufsaufbauschulen in Nachbarstädten, jeweils Berufsschulen angegliedert, dort Bewerber einfach erreichen können. – Die Ergebnisse dieses Schulversuchs, der in unterschiedlichem Ausmaß (eine, zwei oder alle drei Stufen) von ausgewählten Berufsoberschulen und Fachoberschulen getragen wurde, wird er im Auge behalten müssen. Zu achten hat er auch auf die kontinuierliche Pflege schulischer Ausstattung und schulischen Lebens.

Der Sachaufwandsträger, der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen mit Herrn Landrat Dr. Karl Friedrich Zink an der Spitze, hat die Schule weiterhin sichtbar und wirkungsvoll unterstützt: Das viel zu kleine Sekretariat wurde 1994 vergrößert und erneuert, ein kaum zu nutzender Hörsaal im Keller, übernommen vom früher hier beheimateten Gymnasium, zu einem Klassenzimmer umgebaut, so daß gegenwärtig jede der 16 Klassen, in die die ca. 330 Schüler eingeteilt sind, ein eigenes Zimmer hat (Blockphasen der 11. Klassen berücksichtigt). Und Treppenhäuser und Flure wurden im Frühjahr 1995 in sehr gelungener Manier generalüberholt, wobei Anregungen der Schülermitverantwortung berücksichtigt wurden.

Die Unterstützung des Kreises erstreckte und erstreckt sich zudem auf die technische Ausstattung: 1993/94 erhielt die Schule eine elektrische Rundspruchanlage, eine Brandmeldeeinrichtung und ein modernes Schließsystem. Im laufenden Schuljahr aber wird der Technologielehrsaal mit Rechnern der neuesten Generation ausgerüstet, und die technische Einrichtung der Werkstätten wird erweitert.

Die Schule hat sich 1994 ein Sprachrohr geschaffen, durch das sie der Öffentlichkeit auch die Leistungen des Sachaufwandsträgers wissen lassen kann. Sie hat erstmals – mit großzügiger technischer Unterstützung ihres Freundeskreis-Vorsitzenden, Herrn Sparkassen-Abteilungsdirektors Langer – einen gedruckten Jahresbericht herausgegeben, in dem sich die für sie wichtigen Ereignisse spiegeln.

Bilanz aus heutiger Sicht

Schaut man über 25 Jahre Schulentwicklung zurück, so muß man fragen, ob die hohen Erwartungen, die in die Fachoberschule gesetzt wurden, in Erfüllung gingen

Die erste Erwartung galt dem Schultyp insgesamt: Er sollte – der Zielsetzung der Kultusminister zufolge – den neuzugründenden Fachhochschulen besser qualifizierte Studenten zuführen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Rund 200.000 Schüler haben in Bayern allein während des Vierteljahrhunderts seit 1970 die Fachhochschulreife erworben (vgl. Grußworte von Staatsminister Zehetmair an die Fachoberschulen 1990 und 1995) – davon mit gut 3.500 in Weißenburg knapp 2 %. Die Qualifikation dieser Absolventen aber liegt eindeutig über der Mittleren Reife, wie sie die Studenten der alten Polytechnika und der anderen höheren Fachschulen einst hatten mitbringen müssen. Die Erfüllung der Erwartung von Bildungspolitikern steht also außer Zweifel.

Doch auch die Rechnung lokaler und regionaler Politiker, eine Fachoberschule werde die Attraktivität ihres Standortes steigern, ging auf. Kamen schon im Gründungsjahr der Weißenburger Schule die meisten Bewerber von außerhalb, so hat sich daran auch fast 25 Jahre später nichts Grundsätzliches geändert, wie die folgende Aufstellung zeigt:

Jahr
jeweils Ende September
Weißenburg
(Stadt / Landkreis) *
Außerhalb davon Gesamt
1970 33 44 77
1994 170 175 345

(* 1970: Altlandkreis plus Kreisfreie Stadt – 1994: Großlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen inklusive Große Kreisstadt)

Zumindest als Standort einer Fachoberschule wirkt Weißenburg über die Landkreisgrenzen hinweg, hinauf fast bis Nürnberg, hinunter bis zur Grenze des Landkreises. Zumindest als Standort einer Fachoberschule wirkt Weißenburg über die Landkreisgrenzen hinweg, hinauf fast bis Nürnberg, hinunter bis zur Grenze des Regierungsbezirks Schwaben, und von Gunzenhausen im Westen bis Hilpoltstein bzw. Greding im Osten. Für die Schüler von außerhalb wird Weißenburg zeitlebens ein Begriff bleiben. Jenseits aller Erwartungen spiegelt die Schule aber auch die Wandlungen von Wirtschaft und Gesellschaft in der Zeit seit 1970, ablesbar an der Schülerzahl pro Ausbildungsrichtung wie der Gesamtschülerzahl:

Schüler Technik Wirtschaft Soziales gesamt
1970 1) 71 24 95
1975 2) 114 89 73 276
1980 2) 171 114 85 370
1985 3) 134 86 49 269
1990 3) 145 118 36 299
1994 3) 105 158 85 348

( 1) Erster Schultag; 2) Anfang erste volle Unterrichtswoche; 3) Ende erste volle Unterrichtswoche; Stichtage von außen vorgegeben, aber nahe zusammenliegend)

Läßt man das Gründungsjahr als atypisch beiseite, so zeigt sich doch ein beträchtliches Schwanken der Gesamtschülerzahl. Deren Höhepunkt war kurz nach 1980 erreicht, als die letzten geburtenstarken Jahrgänge um 1965 die Fachoberschule besuchten. Der Einbruch Mitte der 80er Jahre war um so schmerzhafter, hatte er doch auch Auswirkungen auf die Beschäftigungsmöglichkeit der Lehrer. Daß es in den 90ern wieder aufwärts ging, hing z. T. mit der Öffnung der Grenzen im Osten, z. T. aber auch mit der Abnahme im Angebot von Ausbildungsplätzen der Wirtschaft zusammen, die viele Abgewiesene in die Schule trieb.

Die Schule konnte auch als Teil des beruflichen Bildungssektors auf branchenspezifische Änderungen in der Wirtschaft nur reagieren, indem sie je nach Zahl der Anmeldungen in der einen Ausbildungsrichtung mehr, in der anderen weniger Klassen bildete. Da die Berufschancen für Ingenieure in den frühen 90ern bundesweit abnahmen – niemand hätte dies zuvor gedacht -, sanken – wie bei den anderen Fachoberschulen – auch die Schülerzahlen in der Ausbildungsrichtung Technik. Umgekehrt nahmen die Anmeldungen für die Ausbildungsrichtung Wirtschaft, Verwaltung und Rechtspflege deutlich zu, sie haben inzwischen die der Techniker überholt. Hierin dürfte sich – viel sensibler als in der Schülerschaft des allgemeinbildenden Gymnasiums – die gesellschaftlich-wirtschaftliche Entwicklung des ausgehenden 20. Jahrhunderts ausdrücken: Abnahme der Beschäftigtenzahlen im sekundären Sektor (Industrie und Gewerbe), Zunahme im tertiären (Handel und Dienstleistungen). Und da mit dem Wandel von der industriellen zur nachindustriellen Gesellschaft auch ein Wandel in der Altersstruktur der Bevölkerung einhergeht, gekennzeichnet durch die Abnahme von Geburten und die Zunahme der Alten, verwundert es nicht, daß sich auch die Schülerzahlen der Ausbildungsrichtung Sozialwesen nach oben entwickeln. Mit der Gesellschaft ändert sich also die Schule, lebt diese doch in jener.

Aber wie immer sich die Zahlenverhältnisse der Ausbildungsrichtungen zueinander entwickeln, wichtig ist, daß die Schule insgesamt Erfolg hat. Bleibt dieser erhalten, so ist ihre Aufgabe erfüllt – beizutragen zum Wohle des Ganzen.

Hermann Ott Studiendirektor


Quellenangaben
Unveröffentlichte Quellen

Akten der Kämmerei der Stadt Weißenburg von 1970 (Bestände 110 und 111 im Stadtarchiv Weißenburg)

Akte „Staatliche Fachoberschule“ des Landratsamtes Weißenburg-Gunzenhausen Nr. 234-0110-4

Dienstliche- Schreiben der Jahre 1970171 aus den Akten des Leiters der Berufsschule Weißenburg, OStD Otto Stiepak

Protokolle über Sitzungen des Stadtrats von Weißenburg in 1970 (Stadtarchiv Weißenburg) Ungedruckte Jahresberichte der Staatlichen Fachoberschule Weißenburg 1974 bis 1995

Veröffentlichte Quellen

Berichte des „Weißenburger Tagblatts“ von 1970 bis 1993

Grußworte des Bay. Staatsministers für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst zum 20. und 25. Jubiläum der bayerischen Fachoberschulen

Bibliographische Angabe

25 Jahre Staatliche Fachoberschule Weißenburg Festschrift – Jahresbericht über das Schuljahr 1994/95

Zusammenstellung: M. Götzinger, H. Ott, W. Seitz, Druck: Braun & Elbel KG, Weißenburg, Seiten 21-37

Homepagegestalltung: W. Nesterenko, Digitalisierung: M. Dahm

Fotos: S. Alt, R. Renner, W. Nesterenko